Feuerbestattung in Gesellschaft und Bibel

Der Mensch als Sondermüll? In diesen Wochen wird vom Bundesumweltministerium ein Gesetzentwurf vorgelegt, welcher der ständig steigenden Zahl von Feuerbestattungen Rechnung tragen und die entsprechenden Bestimmungen aus dem Jahr 1934 ablösen soll. Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Vermeidung bzw. Filterung von Schadstoffen, die in den Krematorien bei der Leichenverbrennung entstehen.
Das erste deutsche Krematorium wurde 1878 in Gotha in Betrieb genommen. 1981 betrug der Anteil an Feuerbestattungen 18,7%; 1991 waren es 26,7% und 1995 schon fast 36% (Quelle: idea und „Der Spiegel" 5/97). Der hohe Ausstoß von Giftstoffen ist dabei auf körperfremde Bestandteile des Menschen zurückzuführen. Glasaugen, Zahnfüllungen, Silikonpolster, Herzschrittmacher, künstliche Gelenke, Nägel, Schrauben, Schienen u.ä. führen während des Verbrennungsvorganges (1-1½ Stunden bei etwa 800°C) zu einer relativ hohen Luftbelastung.

Bevor wir uns mit dem Tod und dem Begräbnis aus Sicht der Bibel beschäftigen, wollen wir uns die gängigsten Argumente für Feuerbestattungen ansehen.

  • Hygienische Gründe: Obwohl für den Einzelnen weniger von Interesse, führen die Verfechter der Verbrennungsbestattung häufig das Argument ins Feld, Einäscherungen seien sauberer und hygienischer. Pro Verbrennung werden jedoch ca. 30m³ Gas benötigt. Dabei wird, wie bei jeder Verbrennung, reichlich Kohlendioxid freigesetzt. Auch Giftstoffe sind, wie bereits erwähnt, keine Seltenheit und dürften bei der zunehmenden Zahl von Feuerbestattungen (316.524 im Jahr 1995) eine Rolle spielen. Bei Erdbestattungen besteht dagegen nur eine sehr geringe Bodenbelastung, die sich praktisch erst nach vier beerdigten Leichnamen an einer Stelle auswirken würde. Da Friedhöfe aber keinem anderen Verwendungszweck dienen, kann eine so geringe Belastung vernachlässigt werden. Auch eine oft angenommene Grundwasserverunreinigung tritt nicht auf.
  • Kostengründe: Die Kosten einer Feuerbestattung betragen durchschnittlich nur 80% der einer Erdbestattung. Bei anonymer Beisetzung entfallen außerdem noch die Kosten für Grabstein und Grabpflege. In einer Gesellschaft, in der Profit und Rentabilität höchster Maßstab geworden sind, sind die Alten oft nur noch hinderlicher Ballast. Nicht menschenwürdige Pflege und Betreuung in der Familie, sondern Abschiebung in Altersheime und Pflegestationen sind an der Tagesordnung. Wo schon die Lebenden keinen Wert mehr zu haben scheinen, ist für Tote erst recht kein Platz. In dieser „Ex-und-Hopp"-Gesinnung vergißt man völlig, daß der Verstorbene sich selbst sein ganzes Leben lang „investiert" hat. Seine Kraft und sein Einsatz für Familie und Gesellschaft sind diesen oft noch nicht einmal ein würdiges Begräbnis wert.
  • Die Angst vor dem Scheintod: Die Angst, vielleicht nur scheintot zu sein und deshalb im vergrabenen Sarg wieder aufzuwachen, ist auch heute noch bei vielen Menschen vorhanden. Die gesetzlichen Vorschriften bzw. medizinischen Mittel, den Tod sicher festzustellen, sind jedoch in unserer Zeit so verfeinert, daß diese Gefahr praktisch ausgeschlossen werden kann.
  • Auch der Versuch, sich durch Verbrennung des Leichnams dem Gericht Gottes entziehen zu können, ist töricht. Welchen Unterschied macht es, ob ein toter Körper verwest, im Meer versinkt, von einer Bombe zerfetzt wird oder verbrennt? Vor Gott erscheinen wir nicht in dem Leib, in dem wir unser Erdenleben verbracht haben, sondern in einem neuen, von Gott gegebenen Leib. Nur die nichtmateriellen Bestandteile Seele und Geist bleiben über den Tod hinaus erhalten. Egal, wie mit unserem Leichnam verfahren wird, wir bleiben voll und ganz für unser Leben verantwortlich.

Da um die Jahrhundertwende Feuerbestattungen häufig einen stark antikirchlichen Hintergrund hatten, verweigerten beide Großkirchen diese Art des Begräbnisses. Heute regeln die Kirchen diese Frage großzügiger, auch die kirchenfeindliche Begründung der Verbrennung ist nur noch eine Randerscheinung.
Was sagt nun die Bibel über die Feuerbestattung? Es ist festzustellen, daß die Heilige Schrift keine ausdrückliche Untersagung von Leichenverbrennungen enthält. Somit verstößt diese Praxis nicht direkt gegen ein göttliches Verbot oder eine Grundlage des christlichen Glaubens. In 5.Mose 21,23 gibt es jedoch eine klare Anordnung, Verstorbene (in diesem Fall Hingerichtete) zu begraben. Die Berichte im Alten und Neuen Testament zeigen, daß dieses Gebot Gottes auch beachtet wurde. Dabei ging es nicht nur um die Beseitigung oder „Entsorgung" der Leiche, sondern in erster Linie um eine würdevolle, dem Ebenbild Gottes (1.Mose 1,26ff) entsprechende Beerdigung. Auch wenn der Tod des Menschen ein Ergebnis des Sündenfalls, und somit nicht gottgewollt, sondern zutiefst unnatürlich ist, gebietet die Ehrfurcht vor dem Leben eine menschenwürdige Bestattung.
Im Neuen Testament wird einige Male das Begräbnis Verstorbener erwähnt. Besonders ausführlich beschreibt es uns die Beisetzung Jesu. Das diese in der geschilderten Form nicht ungewöhnlich war, wird durch den Hinweis deutlich, daß sie nach jüdischer Sitte stattfand (Joh. 19,40). Von Leichenverbrennungen spricht das Neue Testament an keiner Stelle; die Hinweise in Offenbarung 17,6 und 18,8 sind unmißverständlich als symbolhafte Gerichtsankündigung zu verstehen.
Im Alten Testament wird an einigen Stellen eine Verbrennung von Leichnamen angeordnet (1.Mose 38,24; 3.Mose 20,14; 21,9; Josua 7,25); dabei handelt es sich jeweils um die Vollstreckung eines Todesurteils. Dazu muß bemerkt werden, daß die Verurteilten nicht lebendig verbrannt wurden (zum Tode Verurteilte wurden in Israel gesteinigt), sondern ihre Leichen zur Abschreckung und völligen Entehrung verbrannt werden sollten. In 2.Könige 23,15-20 wird von Verbrennungen Exhumierter berichtet, die eindeutig als Gericht durch Entehrung bezeichnet werden.
Von Totenfeuern wird uns in 2.Chronik 16,14; 21,19 und Jeremia 34,5 berichtet. Bei diesen Feuern wurden aber keine Toten verbrannt, sondern Spezereien und Räucherwerk. Damit sollte der Verstorbene in einer besonderen Form geehrt und gewürdigt werden.
Die einzige Stelle, die an eine Feuerbestattung im heutigen Sinn erinnern könnte, ist 1.Samuel 31,8-13. Die schwer geschändeten Leichen von Saul und seinen Söhnen wurden verbrannt, um die Schande und Entwürdigung dieser Menschen so gering wie möglich zu halten. Von einer völligen Einäscherung wird aber auch hier nicht berichtet, denn es heißt, daß die Gebeine (Knochen, Skelett) begraben wurden.

Wir sehen, daß Feuerbestattungen, wie wir sie kennen, der Bibel fremd sind. Der Trend, Verstorbene zu verbrennen, entspringt, neben den schon genannten Gründen, zweifellos einem Menschenbild, welches den Menschen als Schöpfung Gottes leugnet und ihn statt dessen zu einem Nichts im neuzeitlichen, evolutionsgläubigen Denkschema degradiert. Von einer Gesellschaft, welche den Menschen nur noch als einen Klumpen Fleisch sieht und lehrt, welcher ein paar Jahre existiert und dann für immer verschwindet, kann man keinen Respekt vor dem Leben und schon gar nicht vor dem Tod erwarten. Der Wert des Menschen liegt aber nicht im Menschen selbst, sondern allein in der Tatsache, daß er von Gott geschaffen, gewollt und geliebt ist. Nur dieser Umstand schenkt dem Menschen Würde - auch im Tod.