Die Suche nach der Bundeslade

Der heiligste Kultgegenstand des Judentums — die Bundeslade mit den Zehn Geboten - befindet sich möglicherweise in unterirdischen Hohlräumen des Jerusalemer Tempelbergs. Dafür sprechen Indizien, die das ZDF am 24. Februar 2005 in der Sendung „Wunderbare Welt" präsentierte. Den biblischen Berichten zufolge gab Gott selbst den Auftrag zum Bau eines 133 Zentimeter langen und jeweils 80 Zentimeter hohen und breiten Schreins als sichtbares Zeichen seiner Gegenwart. Die Bundeslade sollte innen und außen mit reinem Gold verkleidet und mit Stangen aus Akazienholz transportiert werden (2. Mose 25, 10ff). Das war während des Auszugs des Volkes Israel aus Ägypten. Bis zur babylonischen Eroberung Jerusalems um 587 v.Chr. bildete die Bundeslade den Mittelpunkt des salomonischen Tempels in Jerusalem.

Vermutlich wurde sie kurz vor der Zerstörung der Stadt in Sicherheit gebracht und an einem unbekannten Ort versteckt. Danach wird sie in der Bibel nicht mehr erwähnt. Über ihren Aufenthaltsort gibt es viele Theorien. Sie reichen vom Vatikan über Höhlen beim jordanischen Berg Nebo bis zur äthiopischen Stadt Axun, wo Christen einen ähnlichen Schrein seit vielen Jahrhunderten verehren. Ein Europäer, der den Inhalt 1968 begutachtete, habe jedoch in Äthiopien nur 600 Jahre alte Dokumente gefunden, so das ZDF. Auf dem Tempelberg, der seit der islamischen Eroberung Jerusalems im 7. nachchristlichen Jahrhundert unter moslemischer Verwaltung steht, sind Nachforschungen verboten.

Infrarotaufnahmen aus der Luft zeigen ein weitverzweigtes Kanalsystem im Inneren des Tempelbergs. Sie sollten das Blut der Opfertiere entsorgen, die vor dem Eingang des Tempels geschlachtet wurden. Laut ZDF läßt die Lage eines besonders markanten Kanals darauf schließen, daß der jüdische Tempel etwa 30 Meter südöstlich vom heutigen Felsendom stand. Möglicherweise versteckten die Tempel-priester die Lade in einem dieser Entsorgungskanäle, bevor die Babylonier die Stadt einnahmen. Einem Gerücht zufolge haben Kreuzritter, die Jerusalem 1099 eroberten, die Bundeslade gesehen, als sie die Unterwelt des Tempelbergs durchsuchten. Auch die orthodoxe jüdische Gruppe „Getreue des Tempelbergs", die gegenwärtig zahlreiche Geräte für einen künftigen Tempel herstellt, vermutet die Bundeslade in einer verborgenen Kammer tief unter dem Tempelplatz.

Eine illegale Grabung des Engländers Montagu Brownlow Parker im Jahr 1911 löste einen riesigen Tumult in Jerusalem und diplomatische Verwicklungen aus. Der Adlige hatte einen hohen islamischen Beamten bestochen, um den Untergrund des Felsendoms untersuchen zu können. Als ein Araber, der zufällig des Weges kam, auf den Krach aufmerksam wurde und Alarm schlug, gaben Parker und seine Helfer ihr Vorhaben auf. Genaue Auskünfte könnten nur professionelle Grabungen ergeben, so das ZDF. Allerdings sei es unwahrscheinlich, daß die islamische Tempelbergverwaltung in den nächsten Jahrzehnten eine Genehmigung erteile.

(idea)