Der "Jesus-Papyrus" - "DER SPIEGEL" gegen das Neue Testament

Der Historiker und Papyrologe Carsten Peter Thiede ist Leiter des Institutes für Wissenschaftstheoretische Grundlagenforschung in Paderborn. Bereits vor einigen Jahren sorgte er für Aufsehen, als er ein Papyrus-Fragment aus den Höhlen von Qumran als einen Teil des Markusevangeliums identifizierte. Bedeutungsvoll ist diese Entdeckung deshalb, weil die Höhlen mit Sicherheit vor dem Jahr 70 n.Chr. verschlossen wurden, und seitdem ungeöffnet blieben. Das zeigt, daß die Schriften des Neuen Testamentes wesentlich älter sein müssen, als von vielen Wissenschaftlern heute angenommen wird. Das lesenswerte Taschenbuch ist im Brockhaus-Verlag unter dem Titel „Die älteste Evangelien-Handschrift?" erschienen und für 12,95 DM im Handel erhältlich.
Thiedes vor kurzem erschienenes Buch „Der Jesus-Papyrus" beschäftigt sich mit der Neudatierung eines Fragmentes des Matthäusevangeliums. Die Entstehung dieser Schrift wird von ihm ebenfalls in die Zeit vor 70 n.Chr. gelegt und erregt damit Aufsehen: Hätte er recht, wäre das Evangelium von einem Zeitgenossen Jesu verfaßt worden, was die Spekulationen vieler bibelkritischer Neutestamentler über den Haufen werfen würde. Dieser Umstand veranlaßte die deutschen Nachrichtenmagazine, dem Thema einige Seiten zu widmen.

Ganz im Gegensatz zur Bibel, wo es heißt: „Er hatte keine Gestalt und keine Pracht. Und als wir ihn sahen, da hatte er kein Aussehen, daß wir Gefallen an ihm gefunden hätten." (Jesaja 53,2), trieb „FOCUS" 22/96 mit einem Titelbild-Jesus die Verkaufszahlen in die Höhe, der einem Hollywood-Streifen entnommen sein könnte. Der für eine Titelstory recht knapp bemessene Artikel und das Interview mit Thiede machten dann allerdings schon etwas Lust, sich mit dem Buch zu beschäftigen.
Gleiches Thema, umfangreicher behandelt, in „Der Spiegel" 22/96. In von diesem Blatt gewohnter „Weil nicht sein kann, was nicht sein darf" - Manier äußerte man sich zur Sache abfällig bis zur Gotteslästerung. Und um nicht den Eindruck zu erwecken, man könne Jesus auch nur einen Hauch von Sympathie entgegenbringen, schob man eine Woche später gleich noch einen zweiten Teil in gleicher Art und Weise nach. Ganz genau scheint man zu wissen, wann und von wem welcher Teil des Neuen Testamentes (nicht) geschrieben sein kann, welche Textpassagen verfälscht bzw. von religiösen Fanatikern später eingeschoben wurden. Es wird behauptet, daß wesentliche Berichte des Neuen Testamentes „frei erfunden sein müssen", andere „gar keinen Sinn machen" und Jesus niemals gekreuzigt wurde. So kommt man dann auch zu dem Schluß, daß Bibelkritiker ein „viel lebendigeres Bild von Jesus und den frühen Christen gewinnen, als der andächtige, unkritische Bibelleser". Selbst klare Falschaussagen sind kein Problem: Angeblich müssen Bibelwort-Gläubige einen Jesus kennen, welcher der einzige Sohn Marias war. Dies steht jedoch im völligen Widerspruch zu den Aussagen der Bibel, wonach Jesus einige Brüder und Schwestern hatte (Matthäus 13,55f). Spöttisch bemerkt man auch, Thiedes Institut sein ein Zwei-Personen-Unternehmen. Tatsächlich gibt es dort aber über 100 Mitarbeiter; viele davon Professoren.
Im Zusammenhang mit dieser Fülle an zweifelhaften und unbewiesenen Angaben ist ein Zitat aus dem FOCUS-Artikel interessant: "Wer nun auch hier an der inneren Datierung und Echtheit der Texte zweifelt, weil er Tendenzen oder Retuschen befürchtet, dem wird das Neue Testament schnell zu einem Labyrinth, dessen Wände verspiegelt sind. Das geheime Bauprinzip zu erraten funktioniert nur mit radikalen Hypothesen, ... denn allzu übermächtig überwölbt uns dieses Textgebilde." Mit anderen Worten: Wer das unfehlbare, widerspruchsfreie Wort des lebendigen Gottes angreifen will, kann dies nur mit kräftigen Unwahrheiten tun - und auch dann wird er sich die Zähne daran ausbeißen.
Ob sich die Verfasser dieser Produkte des verfinsterten menschlichen Geistes darüber im klaren sind, daß Gott in der Bibel bereits das Urteil über sie und ihr Werk gesprochen hat? Im 1.Korintherbrief 3,19 heißt es dazu: „Die Weisheit dieser Welt ist Torheit bei Gott."

Kaum widersprechen kann man allerdings bei der Schilderung der Situation unserer Kirchen. Man muß jedoch kein Spiegel-Autor sein, um den maroden Zustand der Großkirchen zu erkennen. Dazu genügt ein einfacher Soll-Ist-Vergleich zwischen den göttlichen Vorgaben in der Bibel und der kirchlichen Praxis, den jeder bibellesende Mensch selbst durchführen könnte.
Der eigentliche Angriff zielt jedoch, das wird an vielen Punkten deutlich, gegen das biblisch orientierte Christentum und in letzter Konsequenz gegen Gott und sein heiliges Wort, die Bibel. Das der Kampf des Menschen gegen Gott ein äußerst törichter ist, scheinen viele nicht zu erkennen. Die Rechnung ist aber einfach: In wenigen Jahrzehnten sind wir alle, die wir heute leben, in der Ewigkeit. Dann ist die Frage nach Wahrheit oder Lüge für immer und ewig entschieden! Christen müssen (und können) mit dem Widerspruch der Welt leben. Ob die Welt mit dem Widerspruch Gottes leben kann, ist fraglich. „Kann etwa ein Blinder einen Blinden leiten? Werden nicht beide in eine Grube fallen?" (Lukas 6,39)
Wir sehen unseren Auftrag darin, den Weg zu Gott aufzuzeigen - gehen muß ihn jeder selbst. Gott hat uns in der Bibel alle Informationen gegeben, die nötig sind, um gerettet zu werden. Für den Umgang damit ist jeder persönlich vor ihm verantwortlich. Bleibt das Resümee in Anlehnung an einen allgemein bekannten Werbeslogan:

"Bibelleser wissen mehr!"