Jesus macht Eindruck
Johannes 7,40-53

"Als sie das gehört hatten, sagten einige aus der Menge: Das ist wirklich der Prophet, der kommen soll. Manche sagten sogar: Er ist der Messias! - Der Messias kommt doch nicht aus Galiläa!, entgegneten andere. Hat die Schrift nicht gesagt, dass der Messias ein Nachkomme Davids sein und aus Bethlehem kommen wird, dem Dorf, in dem David lebte? So kam es wegen Jesus zu einer Spaltung in der Menge. Einige wollten ihn verhaften lassen, aber keiner wagte es, ihn anzufassen."

Jesus machte Eindruck! An der Reaktion der Zuhörer sehen wir das recht deutlich. Seine Worte und sein Auftreten wirkten offenbar stark auf die Anwesenden. Ihre Reaktionen waren so verschieden, wie sie unterschiedlicher kaum sein konnten. Das führte zu heftigen Auseinandersetzungen. Da wurde besprochen und diskutiert, Argumente hin- und hergeworfen und sicher auch manchmal etwas lauter gestritten. Aber einig wurde man sich nicht, was es denn nun mit diesem Jesus von Nazareth auf sich hat. Auch wenn man wusste, wer er war, was er tat und wo er lebte. Jedenfalls glaubten die Menschen, das zu wissen. Es gab unter ihnen sehr unterschiedliche Meinungen über den Mann, der in jeder Hinsicht anders war, als die Zuhörer es von ihren Lehrern gewöhnt waren.

Die Ersten glaubten, dass Jesus der Prophet ist. Und tatsächlich! Er hat vieles verkündet, was sich in der Geschichte erfüllt hat. Daran besteht kein Zweifel, denn es ist nachprüfbar. Aber die Aussage "Dieser ist der Prophet" lässt noch etwas viel Bedeutungsvolleres anklingen. Die Menschen merkten, dass Jesus ein Prophet war. Aber nicht irgendeiner unter anderen, sondern DER Prophet!
Im 5. Buch Mose finden wir eine Vorhersage, in der es heißt: "Einen Propheten wie mich wird der HERR, dein Gott, dir erwecken aus dir und aus deinen Brüdern; dem sollt ihr gehorchen" (5. Mose 18,15). Das war der Prophet, auf den die Menschen damals warteten und auf den sie hofften. Nun begannen sie zu ahnen, dass Jesus eben dieser Mann Gottes sein könnte. Er konnte Kranke heilen, Dämonen austreiben und Brot auf wundersame Weise vermehren. Er musste mehr sein als andere Propheten vor ihm.

Christus-Statue im Nebel, Rio de Janeiro (Brasilien)

Deshalb verwundert es auch nicht, dass andere noch weitergingen. Sie meinten: Es ist sogar der Christus. Endlich! Der, auf den wir seit Moses Zeiten gewartet und gehofft haben. Auf den unser Volk seine Erwartung gesetzt hat und darin immer wieder Mut, Trost und Zuversicht gefunden hat. Sollte es tatsächlich dieser sein? Der tiefe Eindruck, den Jesu Worte und Taten auf sie gemacht hatten, ließ eine Ahnung in ihnen aufkeimen. Der Christus, der lange verheißene Erlöser, sollte er es wirklich sein?
Eine weitere Gruppe argumentierte aber, dass das nicht möglich sei. Das geht doch aus den Schriften ganz klar hervor: Der Retter musste aus dem Örtchen Bethlehem kommen. So steht es bei dem Propheten Micha geschrieben: "Und du, Bethlehem-Ephrata, du bist zwar klein, um unter den Hauptorten Judas zu sein; aber aus dir soll mir hervorgehen, der Herrscher über Israel werden soll, dessen Ursprung von Anfang, von Ewigkeit her gewesen ist" (Micha 5,2). Das war sozusagen ein biblisches Argument gegen Jesus. Aus Bethlehem in Juda soll der Christus kommen. Nicht wie dieser Jesus, von dem man doch wusste, dass er aus Nazareth kam. Aus Galiläa, von wo nichts Gutes kommen konnte (vgl. Joh. 1,46).

Was war nun das Problem? Die Menschen kannten zwar die Schriften und sie wussten von Jesus. Sie haben ihn gehört und erlebt - aber sie kannten ihn nicht persönlich! Und so bleiben sie trotz ihres Wissens nur unbeteiligte Zuschauer. Eine Gefahr, der wir auch heute noch ausgesetzt sind. Natürlich ist es wichtig, zu wissen, was in der Bibel steht. Sie ist Gottes direkte Mitteilung an uns. Doch bei allem Wissen um Gottes Wort ist es trotzdem möglich, außen vor zu bleiben. Eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus schafft die Voraussetzung, ihn immer besser kennenzulernen und ihm näherzukommen.

Dann wird uns noch von einer weiteren Gruppe berichtet, die den Auftrag hatte, Jesus zu verhaften. Es waren Staatsangestellte deren Aufgabe es war, Personen zu schützen und einfache Aufgaben der politischen und religiösen Führung zu erledigen. Eine dieser Einheiten wurde beauftragt, Jesus gefangenzunehmen. Das war sicher kein sehr schwieriges Unternehmen, denn Jesus war bekannt und trat öffentlich auf. Sie haben ihn auch gefunden - aber doch nicht verhaftet. Warum nicht? Weil Jesus auch auf sie Eindruck machte! Männer, die ans Zupacken und Durchgreifen gewöhnt waren, zögerten plötzlich und wichen zurück. Sie bezeugten, dass sie noch nie einen Menschen so reden hörten wie Jesus. Sie waren von seinen Worten so beeindruckt, dass sie ihre Anweisung nicht erfüllt haben. Als sie das ihren Auftraggebern berichteten, waren diese davon gar nicht angetan.

Damit sind wir bei der letzten Personengruppe, die eine sehr deutliche Stellung zu Jesus bezog. Sie werden als "Hohepriester" und "Pharisäer" bezeichnet. Es waren also die sogenannten "Obersten" im Land. Diejenigen, die über politische wie auch religiöse Angelegenheiten zu wachen und zu bestimmen hatten. Und denen war Jesus schon lange ein Dorn im Auge. Nicht nur, weil er ihren Glaubensvorstellungen widersprach. Sondern auch, weil viele einfache Menschen im Land mehr auf ihn zu hören begannen als auf sie.
Ihre Pflicht wäre es gewesen, die Sache sachlich und vorurteilsfrei zu prüfen, um dann zu entscheiden. Stattdessen fahren sie den Dienern anmaßend über den Mund. Überheblich und von sich selbst eingenommen verfluchten sie sogar die Menschen ihres eigenen Volkes. Doch gerade die sind es, in denen sich die Ahnung und der Glaube breitmachten, dass Jesus der Christus, der von Gott versprochene Erlöser, sein könnte.
Nikodemus, der Jesus persönlich begegnet war, ermahnte die verantwortlichen Führer vergeblich, das Gesetz einzuhalten. Aber dafür waren sie nicht mehr zugänglich. Ihre Entscheidung gegen Jesus war gefallen.

Wie stehe ich zu diesem Jesus? Das ist die entscheidende Frage meines Lebens.

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