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"Des Menschen größte Last …"
"Des Menschen größte Last sind schlechtes Wetter und ein Gast. Na ja, schlechtes Wetter geht noch …"
Dieser natürlich nicht ganz ernst gemeinte Satz hat doch einen ernsten Hintergrund. In etwa der Hälfte aller Wohnungen Berlins lebt nur eine Person. Der Begriff "Single-Haushalt" unterscheidet nicht zwischen den Menschen, die freiwillig und gern so leben, und denen, welche ihre Not damit haben. Einsamkeit ist dabei ein großes, wenn auch kaum sichtbares Phänomen. Alleinsein in einer Welt voller Menschen, von denen sich viele nach Kontakt und Gesellschaft sehnen. Allein in der Masse, die manchmal nur wie Dekoration erscheint.
Sicher, Alleinsein ist nicht zwangsläufig Einsamkeit. Doch es gibt Unternehmen, die mit bloßem Zuhören Geld verdienen. Viele Menschen in den Wartezimmern der Arztpraxen haben einfach nur den Wunsch, mit jemandem zu sprechen. In einer Gesellschaft, in der unsere Bedeutung an "Freunden" im Internet gemessen wird, wird Einsamkeit schnell zum Tabu. Bis dahin, dass man sich dafür schämt.
"Vergesst nicht, Gastfreundschaft zu üben!", ermahnt uns der Apostel Paulus. "Denn auf diese Weise haben einige, ohne es zu wissen, Engel bei sich aufgenommen" (Hebräer 13,2). Schaut euch mal um nach den anderen - auch in den Kirchen und Gemeinden! Geht auf sie zu, sprecht sie an, ladet sie ein, lasst sie teilhaben an eurem Leben! So können wir diese Worte verstehen.
Ich habe noch nie gehört, dass jemand tatsächlich einen Engel zu Gast hatte. Gelesen ja, Abraham und Lot fallen mir ein. Aber wir, vielleicht sogar ich? Nein, eher nicht.
Doch ich habe oft erlebt, wie wohltuend und ermutigend Gemeinschaft sein kann. Gemeinschaft ist so viel mehr als Gesellschaft. Menschen, die ihren Lebensweg mit Jesus Christus gehen, haben sich immer etwas zu sagen.
Und sie können zusammen beten. Gemeinsames Gebet ist die intensivste Form der Gemeinschaft im Herrn. Es setzt ein gewisses Vertrauen zueinander voraus, aber dann kann es ein großer Segen sein.
Auch ich bin ein Kind meiner Zeit und mir fällt das oft nicht leicht. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Unverbindlichkeit und Distanz zum Selbstschutz geworden sind. Wer seinen Schutzpanzer ablegt, wird verletzlich. Aber anders ist menschliche Nähe und Gemeinschaft nicht zu finden.
Ich weiß, dass es manchmal mühsam ist, unser Haus für andere zu öffnen. Termine planen, besonders gründlich putzen, Essen in größerer Menge vorbereiten und dann noch die ganze Nacharbeit. Klar, das kenne ich auch. Aber ich weiß auch, wie viel Freude es machen kann. Und welcher Segen darauf liegt, mit den Menschen unsere Zeit zu verbringen, mit denen wir auch in Ewigkeit zusammen sein werden.
Gastfreundschaft braucht Gäste! Deshalb ist es gut, "Ja" zu sagen. Zum Einladen und zum Eingeladenwerden. Dann gilt das Versprechen unseres Herrn Jesus Christus in besonderer Weise (Matthäus 18,20): "Denn wo zwei oder drei in meinem Namen zusammenkommen, da bin ich in ihrer Mitte."
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Foto: KI generiert |
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