Der Sündenbock
3. Mose 16

Der Versöhnungstag "Jom Kippur" ist der heiligste Feiertag im jüdischen Jahr.
An diesem Tag werden die Sünden des Volkes symbolisch auf einen Ziegenbock übertragen, der dann in die Wüste getrieben wurde. So sollten die Sünden des Volkes weggeschafft werden.
Den Höhepunkt des Festes bildeten die Opfer am Nachmittag. Eine besondere Rolle hatte dabei der amtierende Hohepriester, der nur an diesem einzigen Tag das Allerheiligste hinter dem schweren Vorhang betreten durfte. Dabei musste er mit einem hellen Gewand aus Leinen bekleidet sein. Bevor er es anziehen durfte, musste er sich in klarem Wasser vollständig einer rituellen Reinigung unterziehen.

Fensterbild der Lincoln Kathetrale - Das Los wird über die Böcke geworfen Zwischen der Vorhalle und dem Altar wartete ein Jungstier. Diesem legte er beide Hände auf den Kopf und bekannte seine eigenen Sünden. Anschließend begab er sich zu zwei bereitgestellten Ziegenböcken. Diese waren von gleicher Größe, gleich gefärbt und von gleichem Wert. Auch wenn mit ihnen unterschiedlich verfahren wurde, galten sie als ein gemeinsames Opfer. In der Nähe befand sich eine goldene Schale mit zwei ebenfalls goldenen Losen. Auf einem der Lose stand "JHWH"; auf dem anderen "Für Asasel".* Der Hohepriester schüttelte das Gefäß und hielt dann die Lose an die Stirne der Ziegenböcke. Der Bock, auf den das Los "Asasel" fiel, wurde mit einem farbigen Faden markiert.

Nun legte der Hohepriester ein zweites Mal die Hände auf den Kopf des Stieres und bekannte die Sünden der Priesterschaft. Das Tier wurde jetzt geschlachtet und das Blut in einer goldenen Schale aufgefangen. Nun kam der Zeitpunkt, dass der Hohepreiser das erste Mal in das Heiligtum eintreten sollte.
Dazu nahm er eine goldene Feuerpfanne und füllte sie mit glühenden Kohlen vom Alter. In eine goldene Kelle füllte er zwei Hände mit Räucherwerk.
Damit ging er hinter den Vorhang in das Allerheiligste. Er verteilte das Räucherwerk auf der Glut der Kohlen und wartete, bis der Raum mit duftendem Rauch erfüllt war. Dann ging er hinaus, nahm vom Blut des geopferten Stieres und begab sich erneut hinter den Vorhang. Mit dem Finger besprengte er siebenmal die Bundeslade.

Der Sündenbock - ein Gemälde von William Holman Hunt (1854 Anschließend ging er zu dem Ziegenbock, der für den Herrn bestimmt war, um ihn zu schlachten. Mit dem Blut des Bockes ging er erneut in das Allerheiligste und besprengte die Lade in der gleichen Weise, wie er es mit dem Blut des Stieres getan hatte. Dann legte er seine Hände auf den lebenden Ziegenbock und bekannte dabei die Sünden des Volkes und legte diese symbolisch auf ihn. Daraufhin wurde der "Sündenbock" von einem anderen Priester weit in die Wüste geführt, damit er nie wieder zurückkehren konnte. Als der Priester zurück war, verkündete er, dass alles vollbracht war.
Daraufhin zitierte der Hohepriester die entsprechenden Schriftstellen aus dem 3. und 4. Buch Mose. Danach ging er ein letztes Mal hinter den schweren Vorhang, um die Feuerpfanne und das Gefäß für das Räucherwerk herauszuholen. Nun badete er erneut in klarem Wasser und bekleidete sich wieder mit seinem regulären Priestergewand. Dann führte er den Abendgottesdienst durch, mit dem Jom Kippur beendet wurde.

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* Der Ursprung des Wortes Asasel ist unbekannt. Eine Vermutung ist, dass es sich um eine Art Eigenname für die teuflische Macht handelte und die Sünden symbolisch zu ihrem eigentlichen Urheber zurückgeschickt wurden. Andere meinen, der Begriff bedeutet "Ziegenbock der Vertreibung" zur Beseitigung der Sünden.
Der Begriff kommt nur viermal in der Bibel vor, ausschließlich im 3. Mose 16.

Fotos:
Jules & Jenny from Lincoln, UK -Gemeinfrei
William Holman Hunt (1854) - Gemeinfrei