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Es gibt Zeiten im Leben, in denen wir verunsichert sind und uns Zweifel überkommen. Dann haben wir oft mehr Fragen als Antworten. Auch Starke kommen in Situationen, in denen sie schwach sind. Mutige sind nicht immer tapfer, Kluge wissen mal nicht weiter und Heitere sind nicht immer fröhlich. Das geht gläubigen Christen nicht anders.
Die Bibel berichtet uns von einer Begebenheit, die mich etwas verwundert hat. Wir finden sie im Evangelium des Lukas, Kapitel 7, 18-23.
Johannes hat mutig und wirkungsvoll seinen Auftrag erfüllt, das Volk zur Umkehr zu bewegen. Er sollte es auf das Kommen des lange angekündigten Messias vorbereiten. Doch nun saß er im Gefängnis. Nicht, weil er eine Straftat begangen hätte, sondern weil er es gewagt hatte, den König auf seine Sünden hinzuweisen.
"Jesus gab ihnen zur Antwort: Geht zu Johannes und berichtet ihm, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein, Taube hören, Tote werden auferweckt, Armen wird gute Botschaft verkündigt." Jesus lässt ihm nicht einfach ausrichten: "Ja, ich bin es." Das hätte jeder von sich behaupten können. Und wie wir aus der Geschichte wissen, gab und gibt es solche Männer immer wieder. Das hätte Johannes nicht geholfen.
Als Sohn eines Priesters war Johannes mit der Heiligen Schrift vertraut. Er kannte die vielen Vorhersagen, die Gott durch seine Propheten über den Messias gegeben hatte. Allein im Buch Jesaja findet sich eine Vielzahl von Ankündigungen der Wunder, die der kommende Erlöser tun wird: Blinde sehen, Taube hören, Lahme können gehen, Tote werden auferstehen und Elenden wird gute Botschaft verkündet. Die Jünger des Johannes waren Augenzeugen dieser Zeichen, die Jesus getan hat, und haben ihm davon berichtet. Warum war Johannes trotzdem verunsichert?
Es war wohl nicht das, was er von Jesus und seinen Taten gehört hat. Eher das, was er nicht über ihn gehört hat! Heißt es nicht auch, dass er die Gefangenen aus dem Gefängnis holen und aus dem Dunkel befreien wird? Doch Johannes saß im Kerker; eingesperrt ohne Urteil und ohne Hoffnung auf Freiheit. Das zehrte an seinen Kräften. In der Länge liegt bekanntlich die Last.
Und die Ankündigung, dass der kommende Erlöser Recht und Ordnung wiederherstellen und eine ewige Herrschaft antreten wird? Doch nun wirkte Jesus nicht einmal in der Königsstadt Jerusalem, sondern im weit entfernten Kapernaum in Galiläa.
Johannes zweifelte nicht daran, dass der Messias alle Weissagungen erfüllen wird. Doch was er hörte, entsprach nicht dem, was er erwartet hatte. Das hat ihn verunsichert.
Manchmal werden wir unsicher und bekommen Zweifel, auch im Glauben. Dafür kann es ganz verschiedene Gründe geben. Auch ich bin mir sicher, dass der Herr alle seine Zusagen treu und zuverlässig erfüllen wird. Trotzdem habe ich Zeiten der Ungewissheit über Gottes Handeln. Das ist keine Sünde, daran müssen wir nicht verzweifeln!
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